Casting mit Baby

Ich weiß noch genau, wie der Anruf kam: Es war vor ziemlich genau einem Jahr, ich schob mein vier Monate altes Baby gerade im Kinderwagen durchs winterliche Frankfurt, der Wind pfiff mir um die Ohren. Es gäbe da eine neue Sendung fürs Fernsehen, ob ich nächste Woche nach Kassel kommen könne? Moderationscasting? Hauptsache locker und spontan auftreten. Würde auch nicht so lange dauern.

Nächste Woche?!? Ratter ratter. Wie soll ich das machen? Ich bin doch noch in Elternzeit. Hab keine Betreuung! Wer passt auf mein Baby auf? Ach verdammt, hätt‘ ich doch schon abgestillt!

Die Versuchung ist groß, einfach „nein“ zu sagen. Denn eigentlich ist das viel zu viel für mich. Mein Baby ist winzig, meine anderen Kids sind 2 und 4, ich bin sowas von ausgelastet, mega überfordert und mein Hirn ist aufgrund zahlreicher schlafloser Nächte so matschig, dass ich das mit dem „locker“ vielleicht noch hinkriege. Das „spontan“ aber wohl eher nicht…

Aber, hey, zumindest denken sie schon mal an mich! Und ich wollte doch nie eine sein, die sich wegen ihrer Kinder nur in die eigenen vier Wände zurückzieht.

Ich werfe erst mal die Orga-Maschine an: telefoniere mit meiner Tagesmutter und frage, ob sie an dem Casting-Tag zufällig frei hat und den ganzen Tag mitkommen könne? Sie, Baby und ich? Mit dem Auto nach Kassel? Sie sagt sofort zu. Wow. Ok!  Also Shakaaaaaaaaa, letzte Muddikräfte aktivieren und ab dafür!

Ich hatte für den Tag alles super vorbereitet und durchgeplant. Fahrtzeit drei Stunden, das sollte mit Still- und Wickelpausen bequem hinhauen. Witterungsverhältnisse gut. Während des Castings könne meine Tagesmutter einen langen Spaziergang durch den Bergpark Wilhelmshöhe machen und auch ein Kindercafe hatte ich in der Nähe ausfindig gemacht. Na also, klingt doch alles ganz easy! Haha. Wurde es natürlich nicht. Dienstag, 31. Januar 2017: Einer der stressigsten Tage meines Lebens!

Ich hatte mir den Wecker schon auf 5 Uhr gestellt. Hallo, Fernsehen! Da kann ich nicht im verpennten Zottellook aufkreuzen. Und nach so ner durchwachten Babynacht braucht das Glatt-Bügeln halt ein bisschen länger. Später wecke ich mein Baby, docke es noch mal an und um 7 geht es dann los. Schwer bepackt tapere ich in die Garage und frage mich mal wieder, warum es Maxi Cosis nicht in rückenfreundlich gibt. Ich hatte mich entschieden, mit dem Auto meines Mannes zu fahren. Das hasse ich eigentlich. Ein schwerfälliges Monster, mit dem ich in keine Parklücke komme. Aber im Gegensatz zu meinem kleinen Opel ist es für die Autobahn nun mal sicherer.

Ich öffne die Fahrertür und bin sofort auf 180. Das totale Chaos, alle Sitze umgeklappt, die drei Kindersitze kopfüber wild verteilt. Ich verfluche meinen Mann für diese chaotische Karre, würde ihn am liebsten sofort am Telefon anmeckern, aber: Garage =  kein Empfang. Also bringe ich unter vollem Körpereinsatz alles erstmal in die richtige Reihenfolge. Baby zum Glück lieb. Mit 15 minütiger Verspätung fahre ich endlich aus der Garage. Ich bin durchgeschwitzt und hoffe, dass das Casting draußen stattfindet…

An der nächsten Ecke springt meine Tagesmutter rein. Mithilfe ihres Schlüsselbundes schafft sie es tatsächlich, die Kleine eine halbe Stunde bei Laune zu halten. Ab dann: Sirene. Permanent. Ich kriege irgendwann Kopfschmerzen. Auch beim dritten Kind kann ich mich einfach nicht an lautes Babygebrüll gewöhnen. Mit kurzer Nacht und Stress im Nacken fühlt sich das Geschrei noch brutaler an. Irgendwann fahre ich runter von der Autobahn, auf einen Brummiparkplatz. Meine Nerven liegen blank. Ich unternehme einen Stillversuch, der kläglich scheitert. Oh Mann!!! Auch das Wickeln auf dem Beifahrersitz klappt suboptimal. Ich freue mich jetzt schon auf den Moment, wo das alles vorbei und ich wieder in Frankfurt bin.

Ich fahre wieder los und denke, ich spinne. Auf dem Navi steht Ankunft 11.03 Uhr! Um 11 soll es losgehen! Und ich muss vorher noch einen funktionierenden Stillversuch hinlegen, sonst brüllt mein Baby den ganzen Bergpark Wilhelmshöhe zusammen! Ich bin hochgradig gestresst und schwöre, über Castingaktionen mit Kindern nie wieder auch nur nachzudenken.

Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich in Kassel ankomme, ist mir jegliche Verspätung egal. Ich parke auf dem Parkplatz direkt vor dem Studio, ziehe mein Baby zu mir auf den Fahrersitz und stille. Ich bete, dass niemand vorbeikommt, den ich kenne und den ich in dieser Montur auch noch grüßen muss. Passiert zum Glück auch nicht. In letzter Sekunde hiefe ich den Kinderwagen aus dem Kofferraum, packe mein Baby warm ein und schiebe es in die Tragetasche. Begleitet von lautem Gebrüll schiebt meine Tagesmutter davon. Puh… durchatmen und zusammenreißen. Ich habe ein Zeitfenster von 2 1/2 Stunden.

Die Kollegen setzen sich erstmal mit mir an einen Tisch und erklärten mir das Konzep. Also nochmal: Hauptsache locker moderieren und spontan sein. Ja kein Problem, wird schon. Hauptsache endlich anfangen. Die Uhr tickt!

Das Casting war tatsächlich draußen, vor einem Wohnwagen. Aus den angekündigten „kleinen Aufgaben“ wurden gleich mehrere große. Begrüßung mit Doppelmoderation (hatte ich noch nie gemacht), dann sollte ich ein Interview mit einem Kollegen führen, Essen mit geschlossenen Augen probieren, Stelzen laufen (!!!) und schlussendlich für eine „Klamotten-Such-Aktion“ quer über das ganze Gelände rasen. Die Kamera immer hinterher. Es war wirklich hardcore, ich habe nur gemacht, gemacht, gemacht – zack zack zack – mir war einfach nur wichtig, es schnell hinter mich zu bringen….

Nach gut zwei Stunden bin ich im wahrsten Sinne des Wortes fertig und fahre mit dem Schiff zum Kindercafe, wo ich meine Tagesmutter wiedertreffe. Hier ist alles in Ordnung. Baby gut gelaunt, Tagesmama sowieso. Ich bin so durch und sehe im Spiegel, dass ich inzwischen aussehe wie eine Vogelscheuche. Haare-Absteh-United. Ich müsste eigentlich umfallen vor Hunger, bekomme aber keinen Bissen runter. Ich will eigentlich nur alles wieder einladen und heimfahren – schließlich muss ich noch meine beiden Großen vom Kindergarten abholen. Was hab ich mir nur dabei gedacht, diese Aufgabe an diesem Tage AUCH noch zu übernehmen!!!

Auf dem Rückweg erklingt sofort wieder die Sirene. Komm, jetzt Augen zu und durch. Du hast es fast geschafft! Irgendwann pennt mein Baby ein und hätte ich den Regler zur Belüftung nicht mit dem Regler der Lautstärke verwechselt, wäre das wohl auch so geblieben. Plötzlich also Musik in VOLLER Lautstärke und drei Mal dürft ihr raten, wer wach wurde und bis Frankfurt durchbrüllte…

Abends war ich FIX UND FERTIG und schlussendlich eine Woche lang krank. Es war einfach viel zu viel Stress für meinen momentanen Zustand….

So, nach diesem beklemmendem Erfahrungsbericht noch die gute Nachricht. Diese Ochsentour war nicht umsonst – ich habe den Moderationsjob tatsächlich bekommen!!! Hammer. Echt richtig richtig geil! Vier Sendungen haben wir bereits aufgenommen und auch schon ausgestrahlt. Wie zb diese hier: Wilde Camper – Frankfurter Gallus.

Weitere sollen in diesem Jahr folgen. Aber eins könnt Ihr mir glauben. Dieses Casting vergesse ich NIE! Und sollte ich irgendwann mal in ferner Zukunft für irgendwas einen Medienpreis gewinnen und auf die Bühne gebeten werden. All mein Dank gebührt: Meiner allerliebsten Tagesmutter!!!

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TOPModel: Geht’s noch gruseliger?!?

Ich musste so lachen, als ich mich letztens mit einer Frau im ICE unterhalten habe: Kathrin aus Bad Nauheim, etwa Mitte 40, keine eigenen Kinder, total nett. In der Weihnachtszeit wollte sie bedürftigen Kindern etwas Gutes tun und hatte sich darum zwei Wunsch-Zettel der so genannten „Wunschbäume“ mitgenommen (dort können Kinder aus ärmeren Familien eben ihre Wünsche draufschreiben).

Eines der Kids, offensichtlich ein Mädel, hatte sich einen Block von TOPModel gewünscht. Das kannte Kathrin (zum Glück noch) nicht, ging also (noch frohen Mutes) in ein Schreibwarengeschäft und fiel fast vom Glauben ab. Was das für ein Schwachsinn sei, sagte sie – und ich stimme ihr da absolut zu!

Was sind das für schlimme Gesichter! Ein Mix aus operiertem Alien, Katze und Pornostar! So ekelhaft künstlich, dass ich einfach nur hoffe, dass meine Mädels niemals Gefallen daran finden werden. Jetzt mal ehrlich: Nur die am ekelhaftesten operierten Freaks sehen so aus. Wer zum Henker hat sich diese Figuren ausgedacht?!?

Mein (todsicherer!) Abnehmtipp für 2018:

Schaffe dir Kinder an – eines reicht schon, aber besser gleich zwei oder drei – und gehe idealerweise noch arbeiten. Deine Pfunde werden von morgens bis abends nur so purzeln!

Morgens: Um dein Tagespensum durchzupowern, stehst du natürlich in aller Herrgottsfrühe auf, das steigert gnadenlos den Grundumsatz. Das, was du dir nebenbei als Frühstück einwirfst, machst du sofort wieder wett: Indem du deinen Kindern hinterherläufst, die keinen Bock haben, sich anziehen zu lassen und stattdessen lieber über Couch und Stühle durch die Wohnung flitzen.

Vormittags: Nehmen wir mal die typische Konstellation: Du arbeitest halbtags, musst aber mindestens so viel leisten wie bei einer 3/4-Stelle. Schließlich will man ja nicht als „Rumdödel-Cappuccino-Mutti“ abgestempelt werden. Also wird auf der Arbeit rangeklotzt ohne Ende. Der Vorteil: Du merkst gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht, in der du natürlich nichts isst!

Mittags: Gibt es eine Halbtagsmutti, die zu Mittag isst? Eben! Wieder gute 800 Kalorien gespart!

Nachmittags: Du hetzt zum Kindergarten / Hort / Tagesmutter, um bloß nicht schon wieder zu spät zu kommen. Hetzen bedeutet: Dein Körper steht unter Feuer, und das ist besser als Sport! Außerdem merkst du vor lauter Hetzerei gar nicht, dass du vor Hunger eigentlich umfallen müsstest. Besondere Empfehlung für die Fortgeschrittenen: Zwei Kinder in zwei unterschiedlichen Einrichtungen abholen: doppelter Druck, doppeltes Tempo und ein Kind ja immer so halb mit dabei. Das gibt noch mal richtig Zunder!

Abends: Wenn du dir noch die Spielplatz-Tour gegeben hast, spürst du jetzt, was du geleistet hast: Wild geschaukelt, beim Klettern gestützt, fallende Kinder aufgefangen…. Der Rücken ist also schon mal fein raus. Aber auch innerhalb deiner vier Wände hast du schon einen halben Marathon hingelegt: Läufst vom Wäschetrockner zu den sich kabbelnden Kindern, von da zum Geschirrspüler, den du im Mordstempo ausräumst und dann wieder ins Bad, weil eine Puppe ins Klo geschmissen wurde. In Windeseile wird die eingeweicht, die Hände gewaschen und dann wieder zurück ins Wohnzimmer, wo gerade ein Brot einmal quer durchs Zimmer gekrümelt wurde…. Ja, Staubsagen verbrennt auch Kalorien und kräftigt herrlich die Arme! Beim Abendbrot bist du eher Schadensbeseitiger als Mitessender – wenn alle schon wieder weg sind vom Tisch, knabberst du maximal noch die übergebliebenen Reste vom Kinderessen weg. Was ein Glück, dass alleine essen kein Spaß macht: So hörst du ganz schnell wieder damit auf.
Später: Eigentlich hast du deinen Diät-Soll schon längst erfüllt. Aber als Abspeckprofi lässt du nicht nach: Kinder baden (schwitz!), Kinder anziehen (dito!), mit Kindern schmusen (besser als Turnen!), sie tragen, schleppen, usw.

Also: Beschwere dich nicht, dass du dir keine Nanny leisten kannst oder die Großeltern nie aushelfen. Sie tragen nur dazu bei, dass du das wirst, was du immer sein wolltest: Die Bohnenstange 2018! 😆😆😆

5 Dinge über das Leben mit Kindern, von denen ich vorher KEINE Ahnung hatte..

1. Dass es Tage gibt, an denen du dich ausschließlich per WhatsApp mit deinem Mann unterhältst. Gespräche? Vergiss es. Es quatscht eh immer einer dazwischen – und so hast du wenigstens Schwarz auf Weiß, was du alles an ToDos verteilt hast. 😉

2. Dass Arbeiten wie Urlaub ist.

3. Dass du dich jeden Abend aufs neue ärgerst, keinen schwarzen Gürtel in irgendeiner Kampfsportart zu besitzen (Zähne putzen!!! Hört das Drama denn nie auf?!? Nein, verdammt, hört es nicht!!!).

4. Dass „Zeit mit Kindern“ zu 10% aus „Zeit mit Kindern“ und zu 90% aus Aufräumen besteht…

5. Dass ALLE Kinder beißen. (und zwar auch die Muddi! auaaaaaa!)

Märchen-Tipp für heute (25.12.)

„Das Wasser des Lebens“: Auf der Buchmesse hatte ich die Filmcrew auf der ARD-Bühne im Gespräch (ua mit Hauptdarstellerin und total sympathischem Drehbuchautor, look here), 14:45 Uhr wird das Märchen nun im Ersten ausgestrahlt. Meine Kids sind dafür noch zu klein (manche Stellen sind echt spooky), aber ab 7/8 Jahren kann man sich den Film wunderbar angucken. ⭐️

Das Phänomen der „Verkrämpelung“

Auf dem Esstisch liegen: 9 Stifte, 3 mehr oder weniger ansehnliche selbstgemalte Bilder, eine Barbie, zwei kleine Autos, ein paar Lego-Teile, ein Haarreif. Jetzt gibt‘s aber Essen und wo wandern die ganzen Sachen hin? Na klar: in eine Krämpelkiste. 

Gedacht als provisorische Aufräumlösung mit dem festen Vorsatz, alles nachher wieder auseinander zu dividieren. Stichwort Überblick. Haha. In Wirklichkeit bleiben alle Sachen für immer und alle Zeit in dieser Kiste drin und etliches anderes Kuddelmuddel gesellt sich alsbald noch dazu. Überblick? Das ist lange lange her. 

Bei mir in der Wohnung gibt es diese Krämpelkisten an jeder Ecke. Ich muss nur einen Tag lang mal nicht ständig alles penibel wegräumen und schon hab ich den Inhalt für eine neue zusammen. Und dann kommt noch ein Ball dazu, und eine Fussballfahne, und leere CD-Hüllen, Puppenteile, Stofftiere, einsame Memory-Karten, … um das alles wieder in Ordnung zu bringen, müsste ich mir mindestens eine Woche Urlaub nehmen!

Das wird natürlich nicht passieren – also besser mit dem Sammelsurium an nicht zusammengehörenden Spiel-, Bastel- und Malsachen abfinden und auf den Überraschungseffekt setzen („Ach da ist sie ja wieder!!! Die Puppe von der Oma!“) 

Danke, liebe Krämpelkiste! 😉

🎨 Muddi-Tusch-Bilanz 🖌

5 Minuten aufgebaut: Tischdecke, Wassergläser, Tuschkästen, Papier, Pinsel. 

3 Minuten diskutiert, warum es (verdammt noch mal!) wichtig ist, eine Schürze anzuziehen. 

3 Minuten die Farben so aufgeteilt, dass jeder gleich viele und seine Lieblingsfarbe hat und nicht mehr brüllt. 

12 Minuten den Kindern beseelt beim Tuschen zugeguckt

3 Minuten rumgemeckert, warum nach 12 Minuten hier keiner mehr Bock aufs Tuschen hat!!!

7 Minuten alles weggeräumt, Pinsel, Gläser, Tuschkasten sauber gemacht, Bilder zum Trocknen weggelegt

14 Minuten auf dem Boden rumgerobbt, um Farbspritzer auf Boden, Wand und Kinderstuhl wegzuwischen

20 Minuten über diese miese Tusch-Bilanz nachgedacht…. 😉

Weihnachtszeit = Erpressungszeit


Ok, eigentlich erpresse ich das ganze Jahr über, ohne „wenn dann“ läuft hier gar nichts, aber niemals sonst ist diese Erziehungsmethode so effektiv wie in der Weihnachtszeit! „Wenn du jetzt nicht vernünftig Zähne putzt, dann versteck ich morgen deinen Advenskalender!!!“ „Wenn ihr jetzt nicht endlich von der Treppe runter und ins Bett geht, dann petz’ ich das dem Weihnachtsmann!“ „Wenn du jetzt weiterschreist, gibt es Heilig Abend GAR KEINE Geschenke!!!!“ Funktioniert! Herrlich! Also wenn mich jemand fragen würde, warum ich Weihnachten mag: Weil ich meine Kinder dann so wunderbar erpressen kann! 😃

(PS. Mir graut schon vor Januar….)

Unser tolles neues Au Pair

Anmerkung vorab: Dass unser neues Au Pair-Mädchen aussieht wie Rita Ora, und dass das natürlich auch gewisse Nachteile mit sich bringt (wenn man fertig, bebrillt und beaugenringt am Frühstückstisch sitzt), lasse ich in dieser Lobeshymne absichtlich außen vor. 

Nach dem bereits berichteten Supergau haben wir nun einen echten Volltreffer gelandet. Ein Au Pair, das ich mir gar nicht mehr wegzudenken vermag. 

Besa ist 26 Jahre alt und kommt aus Albanien. Sie hat bereits Medizin studiert und will vor allem eins: Deutsch lernen, um hier ihren Facharzt als Kinderärztin zu machen. In jeder freien Minute paukt sie, was das Zeug hält, ihr ganzes Zimmer hängt voller Postets und sie spricht schon richtig gut. Neben unserem Esstisch hängt neuerdings ein White Board, mit dessen Hilfe wir ständig neue Vokabeln üben. Die ersten Wochen haben wir uns auf englisch unterhalten, mittlerweile nur noch in Notfällen bzw. wenn es mal ganz schnell gehen muss. 

Die Kinder mögen sie sehr – nicht von Anfang an, aber doch ziemlich schnell. Neulich habe ich gegenüber den Kids angedeutet, dass Besa nicht für immer bleiben wird. Das wollten sie überhaupt nicht wahrhaben. Unser Au Pair gehört schon richtig zur Familie dazu. Die Kinder laufen ständig in ihr Zimmer, suchen aktiv ihre Nähe und bauen sie mittlerweile sogar in unsere Gute-Nacht-Geschichten ein. 

Besa hilft vor allem morgens, die Kinder wegzubringen (das teilen sie und ich uns meist auf) und nachmittags, sie wieder abzuholen. Je nachdem, wie lange ich arbeite, betreut sie die ganze Bande. Sie ist unglaublich zuverlässig, fleißig und selbständig. Man merkt sofort, dass sie schon mehrere Jahre allein bzw in WGs gelebt hat.

Was mir vorher gar nicht bewusst war: Was für eine unglaubliche Erleichterung im Haushalt ein Au Pair sein kann (wenn man eben Glück hat):

Ich bade die drei Kinder, komme aus dem Bad – und das gruseligste Abendbrot-Chaos ist schon beseitigt. Normalerweise habe ich nach dem Zubett-Bringen noch ewig in der Küche gestanden und rumgerödelt. Jetzt nicht mehr. Oh, wie ist das herrlich! Wäsche zusammen legen? Macht sie. Ich müsste eigentlich noch einkaufen, würde es aber nur total gestresst hinbekommen? WhatsApp an Besa und ein Punkt auf der To Do-Liste weniger. Mittlerweile kauft sie sogar selbständig ein, ich muss also gar nichts mehr sagen. Und habe ich schon erwähnt, dass sie die tollsten Suppen kocht?

Mein Standpunkt heute: Drei Kinder und (Schicht) arbeiten. Das geht ohne Au Pair gar nicht (es sei denn Oma und Opa sind ständig am Start). Es ist einfach so unfassbar viel zu tun. 

Und drei Kinder haben ja auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Beispiel Schwimmkurs: Ich gehe mit den Großen, sie kümmert sich zuhause um die Kleine. Was für eine Erleichterung, nicht eine Stunde lang eine Einjährige in der Umkleide bespassen zu müssen. Laternenumzug mit dem Kindergarten? Ja, das könnte ich mir auch mit Kinderwagen antun – aber deutlich entspannter ist es doch, nur auf zwei und nicht auf drei Kids in der Dunkelheit und am anschließenden Martinsfeuer aufpassen zu müssen.

Ja, mit einem Au Pair gibt man einen Teil seiner Privatsphäre auf – vor allem in einer so kleinen Wohnung wie der unsrigen (wobei es sehr hilfreich ist, dass unsere Wohnung zweigeschossig ist und wir zwei Badezimmer haben). 

Ja, ein Au Pair kostet eine Menge Geld. Selbst, wenn nur die vertraglichen Mindestanforderungen gezahlt werden, sind es gute 500 Euro im Monat. 

Auf der anderen Seite spare ich mir damit das, was mich am meisten Nerven kostet: Orga-Stress. Dieses ständige Jonglieren und Hin- und Hertelefonieren, wenn mal wieder etwas anders läuft, als geplant (fast immer), irgendjemand früher abgeholt werden muss, ich länger arbeiten soll, etc. 

Das ist echt richtig viel wert!

Dieses Mal also wirklich super – und ich hoffe, das Au Pair-Glück bleibt uns weiterhin hold 🍀🍀🍀

PS. Bevor der falsche Eindruck entsteht: Komplett arbeitslos wirst du als Mutter mit Au Pair (logischerweise) nicht! Wenn ich da bin, sind die Kids natürlich voll auf mich fixiert und die ersten Male, an denen ich alle drei bei Besa lassen musste, weil ich am Wochenende gearbeitet habe (und der Papa nicht da war), waren echt hart. Was haben sie gebrüllt. Was habe ich für Stressmomente gehabt!!! Nach wie vor bist du als Mutter gefordert. Zu tun ist ja schließlich immer irgendwas – auch mit Au Pair. 👩🏻💪🏼👶🏼👧🏼👦🏻❤️

Was hier alles so passiert 😊

Hallöchen,

ich bin Julia, Moderatorin in Radio und TV und ich habe drei sensationelle kleine Kinder.

In meinem Job berichte ich ausgewogen – hier garantiert nicht!!! Dieser Blog ist parteiisch (immer pro Muddis und Kinder), er ist sowas von politisch unkorrekt und geradezu hardcore gefüllt mit den Ausdrücken, die man in einem Haushalt mit Kindern normalerweise tunlichst vermeidet. Aber mal ehrlich: Wer würde diesen Blog sonst noch lesen?!? 😉

Früher habe ich viel gearbeitet, habe Party gemacht, ewig lange geschlafen, bin dann frühstücken gegangen, habe Sport gemacht (tanzen, Aerobic, joggen), Freunde getroffen,… ja, das war auch nicht übel!

Jetzt ist mein Leben „muddialarm“ = drei eingebaute Wecker, morgens als erstes Milch-Warm-machen („Neeeein!!! Nicht DIE Flasche!!! Ich wollte die rosane!!! Uäääääähhhh“) 100x ankündigen, dass gleich die Klamotten angezogen werden, Auf-dem-Boden-Rumkrabbeln-und-Haferflocken-Wegwischen (das ist wirklich hart), in den Kindergarten schlurren, Verabschieden mit schlechtem Gewissen… ab auf die Arbeit.

Gejoggt wird bei mir nur noch mit Kinderwagen und wenn es Nachmittags zeitlich hinhaut: Schwimmkurs, beim Kinderturnen in der Umkleide abhocken (ist das boring), Spielplatz, Play Dates, Quatsch machen, eBay Kleinanzeigen, Anna und Elsa, Lightning McQueen, Einhörner und Kuscheltiere, Kinderfüße nachts im Gesicht, … und: tägliches Jonglieren zwischen Schichtdienst und drei kleinen Kindern. Ich bin mal im Spätprogramm beim Radiosender hr3, mal moderiere ich fürs TV ganz weit weg von zuhause oder abends als Wetterfee. Das geht nur mit zwei Kalendern, Vollzeit-Plätzen im Kindergarten, einer sensationellen Tagesmutter und einem tollen Au Pair-Mädchen, meine (Schwieger-) Eltern wohnen leider in Kiel – verdammt weit weg!

Wir wohnen in einer ziemlich knapp bemessenen Vier-Zimmer-Wohnung in Frankfurt Sachsenhausen, mit sechs Leuten leben wir zurzeit auf 100qm. Ist knackig, aber aus jedem Quadratzentimeter hole ich noch was raus. „DIY“ geht bei mir gar nicht: Darum source ich alles out (bügeln, putzen, …) und das mit dem gesunden Essen erledigt der Thermomix (ein geiles Teil).

Hier lest ihr all das, was Mamas beschäftigt. Sprich: Für Leute, die in kinderfreien Hotels Urlaub machen, die sich in ihrer Nachbarschaft feste „Kinderspielzeiten“ wünschen oder schon bei dem Wort „Stillen“ die Augen verdrehen, ist das hier nix! ääääätsch!

Also: Viel Spässchen beim Lesen.

Eure Julia

P.S. Ich habe auch einen Mann. Er ist der absolute Hammer, will aber nix von sich im Internet lesen. Naaaaaagut 🙂