Gegendarstellung

Vor gut einem Jahr habe ich hier einen Artikel veröffentlich, der nach wie vor zu den meist gelesenen und meist kommentierten gehört: Unser Au Pair – das Desaster des Jahrhunderts. 

Vor wenigen Tagen kam ein Kommentar, den ich hier gerne prominenter platzieren möchte, weil er die andere Seite der Medaille zeigt und damit wirklich sehr interessant ist. Voilà:

Ich stelle mich erstmal vor: Mein Name ist Tsoa und ich komme auch aus Madagaskar.

Ich war ein Au-Pair-MĂ€dchen in Deutschland 2015, und ich bin bisher immer noch im Kontakt mit meiner Gastfamilie. Ich mach eine Ausbildung als Krankenschwester und nach mein Au Pair Jahr haben sie noch ein Au Pair aus Madagaskar genommen. Also das war eine gute Erfarhung. Das MĂ€dchen bleibt bei der Familie denn sie macht ein Studium. Also das war eine gute Erfahrung von beide Seiten.

Wenn ich hier bin das ist nicht zum Beschwerden, sondern fĂŒr Sie handeln warum wir so kommich fĂŒr die Deutschen. Ich war schon mal wie Faniry als ich hier als erstmal gekommen bin. Ich möchte sagen, dass ich Faniry nicht kenne.

Madagaskar gehört den armsten LÀnder in der Welt das wird von Tag zu Tag schlimmer seit 2009 wegen Korruption und politische InstabilitÀt. Das Land befindet sich in einer Krise.

So wie die Armen Leute sind, bleiben wir bei Gott. Wir hoffen, dass unsere UnterstĂŒtzung dem Gebet dient – und warum der biblische Austausch besser ist als das Teilen andere sachen. Und wĂ€hrend wir uns den WORTEN zuwenden Bleiben Gott treu, bleiben die meisten MĂ€dchen Jungfrau, bis sie Ihre Ehe gefunden wird. Wiel heirten zwichen 18-25 Jahre. Deswegen nutzen wir auch Binden wenn wir unsere Period haben. Tampons lohnt sich dann nicht.

Da man keinen Sex hat, ist es schwierig, Dann bekommen wir schmerzen jeden Monat.

Nicht jedes Haus hat Internet, aber Facebook kostet fast gach nicht deswegen haben wir Freunde (die meisten ab 200) denn es ist einfach fĂŒr uns zu kommunizieren. Ja, wir können telefonieren, aber ich spreche von sozialen Netzwerken. Ihr könntet aber sagen (so war auch bei mir) dass Ihre möchtet nicht ein Bild von den Kindern im Facebook gepostet.

Wir sollen schon bevor wir einreisen Deustch sprache lernen, damit wir das Visum bekommen (es wird immer schwierig hab ich gehört) aber die Unterricht sind von Madagassich Lehrer mit Madagassich akzent und in Deutschland haben wir am anfangen , Probleme die Sprache zu verstehen. Einfach nur weil die Deutschen reden mit deutsch akzent und die sprache ist auch schwierig fĂŒr uns. Wir sind es gewohnt, auf Französisch reden.

Ich folgere daher, warum sie nichts zu ihrer Ankunft nichts gesagt hat. DarĂŒber hinaus lassen wir zum erstmal unsere Familie und unsere Heimat, wir fliegen zum erstmal mit dem Flugzeug weil fliegen kostet teuer. In all diesen FĂ€llen sind die Emotionen vorĂŒber: traurig weil wir verlassen unsere Familie die wir nicht wissen, wann wir uns wiedersehen werden. Aber auch der Traum wird RealitĂ€t: fliegen und die Angst davor, sich v*erlieren wĂ€hrend der Reise.

Wir fliegen ca11 Uhr und das ist schwer, und nach dem Flug sind wir mĂŒde aber auch aufgeregt wie die Gastfamilie aussieht. Deswegen sagen wir gach nicht, aber es ist alles in unserem Kopf.

Handy gehört zu unserem Bestfreund denn Eltern, machen sorge und Freunde Fragen wie toll Deutschland ist. Die sind alle verbunden im Facebook und möchten alles wiessen was hier los ist. 

Es ist schon dunkel um 18 Uhr in Madagaskar und Unsicherheit ist sehr gefĂ€hrlich. Dies ist der Hauptgrund, warum junge MĂ€dchen zu Hause bleiben und nicht auf das Wesentliche gehen. NatĂŒrlich gibt es auch viel AktivitĂ€t aber nĂŒr fĂŒr die Leute die es leisten können. Also wir bleiben ruhig zu Hause.

Ich denke, dass Au Pair World ein gut Website ist, aber nur fĂŒr die Familie, die vorher schön Au Pair haben und wissen was diese Program bedeutet. Manche Agentur sind sehr gut fĂŒr „anfanger“ und die helfen die Gastfamilie Psychologisch wie sollen sind denn gut gehen mit dem Au Pair. NatĂŒrlich kostet die Anmeldung und die Beratung rund 280 Euro fĂŒr jede Familie und nicht jeder kann es bezahlen 🙂

Jedenfalls sind nicht alle MĂ€dchen aus Madagaskar so, und jeder ist anders. Aber eine paar Familie sind trozdem dankbar und zufrieden, viel bleiben bei der Familie egal ob wir billige fachkraft, babysitting und puztfrau, oder einfach dass wir angst haben unsere Visum zu verlieren weil es schwer ist.  

Danke

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Freu! Ich schreibe ein Buch! đŸ˜ƒđŸ“˜

Sensationell: Mein Blog taugt nicht nur dazu, ordentlich Muddi-Dampf abzulassen 😉 sondern auch, um fĂŒr ein saucooles Buchprojekt aufgegabelt zu werden! 

Ein Agent aus MĂŒnchen hat mich gefragt, ob ich den ReisefĂŒhrer „111 Orte fĂŒr Kinder in Frankfurt, die man gesehen haben muss“ schreiben möchte. FĂŒr Berlin und Hamburg seien sie schon erschienen / in der Mache, fehlt halt nur noch die absolute Kultstadt Frankfurt! 😆

Ich habe natĂŒrlich hin- und herĂŒberlegt: Drei Kinder und beruflich mal zwischen 60 und 120% eingespannt…. pack ich das ĂŒberhaupt? Ist schon ein Riesen StĂŒck Arbeit, die PlĂ€tze zu recherchieren, zu besuchen, zu fotografieren, Infos einzuholen, die Fotos auszuwĂ€hlen, zu bearbeiten und dann halt noch die Texte zu schreiben. Aber was soll‘s, ich hab da einfach Bock drauf! Ich liebe Frankfurt, bin mit meinen Kids eh stĂ€ndig unterwegs! Ich mach‘s! Die Kids könnt ich hin und wieder ja auch mitnehmen. 

Und so bin ich seit ein paar Wochen immer mit meiner (neuen! geilen!!!) Kamera unterwegs und radele zwischen Kinder-Wegbringen und Radiosendung durch Frankfurt. Immer auf der Jagd nach den tollsten und skurrilsten PlĂ€tzen fĂŒr Kinder. 

Sobald das Buch erscheint, sag ich natĂŒrlich Bescheid! Und falls Ihr einen Ort habt, der unbedingt rein muss: Immer her damit, ich freue mich ĂŒber Input! 😍

Betreuung gesucht – Glauben an die Menschheit verloren

Im Moment gibt es fĂŒr mich nur ein Thema: Wie soll es hier weitergehen, wenn unser jetziges Au Pair irgendwann wieder geht? Wir haben keine Großeltern in der NĂ€he, wir arbeiten lange oder Schicht oder auch mal fĂŒr ein paar Tage im Ausland. Der eine Kindergarten schließt um 17 Uhr, der Platz bei der Tagesmutter ist bis 15.30 Uhr.

How the **** soll man das bitte schaffen?!?! Geht gar nicht!!! In meinen schlimmsten TrĂ€umen sehe ich mich schon als Hausmuttchen verkĂŒmmern, mich nur noch um den Haushalt kĂŒmmern, nie Dankbarkeit erfahren, den Mann abends schlecht gelaunt empfangen,… Studium, Ausland, Volontariat,… alles fĂŒr die Katz, weil es einfach unmöglich ist, die Kinder vernĂŒnftig betreut zu bekommen!!!

In jeder freien Sekunde hĂ€nge ich darum am Smartphone – betreut.de, aupairworld, Facebook, watweissich… Auf der Suche nach Nannies, TagesmĂŒttern etc. Eigentlich wollte ich aus PlatzgrĂŒnden nicht noch ein Au pair Jahr wagen, aber vor lauter Verzweiflung bin ich kurz davor, dem freiwerdenden Zimmer wieder Hasta la Vista zu sagen.

Mit einem Au Pair holst du dir zwar die Katze im Sack aber hast im Idealfall das ‚Rundumsorglospaket‘ – egal wie du arbeitest, das Au Pair ist nur fĂŒr deine Kids da, kann bringen und abholen, betreut auch bei Krankheit (nur bei leichter, don‘t worry, ganz so Rabenmuddi bin ich auch nicht), hilft auch im Haushalt mit.

Eine Nanny wĂ€re ein Traum – bei meinen unregelmĂ€ĂŸigen Arbeitszeiten aber quasi unmöglich, eine „exklusiv“ zu kriegen. Es sei denn, du legst so viel Geld auf den Tisch, dass du eigentlich auch gleich Zuhause bleiben kannst.

Babysitter ist mir zu unsicher, ich habe eine Woche im Monat SpĂ€tdient, sitze im Radio-Studio und kann nicht weg – da brauche ich jemanden, der absolut verlĂ€sslich meine Kids abholt und mir nicht zwei Stunden vorher eine Whatsapp schreibt, dass ja morgen eine Matheklausur ansteht und deswegen heute doch nicht geht…

Ich habe so viel Energie damit verballert, eine Betreuung zu finden – und bin immer wieder vom Glauben abgefallen, wie unzuverlĂ€ssig die Menschen sind. Ein paar traurige Beispiele:

  • Ich starte mit dem Anruf bei einer Tagesmutter, die schon vor Jahren bei uns ausgeholfen hat. Ob sie sich das mit meiner Schicht vorstellen könnte. Ja klar, könne sie, sie habe noch KapazitĂ€ten! Wir laden sie zum FrĂŒhstĂŒck ein, legen alle Fakten auf den Tisch, ĂŒberlegen hin und her, wie wir es ihr möglichst einfach machen können. Als sie geht, haben wir das GefĂŒhl: that’s it! Geil, war das easy! Dummerweise hören wir wochenlang gar nichts mehr von ihr. Keine Reaktion per whatsapp, Anrufe nimmt sie nicht ab. Irgendwann schreibt sie: Sie war im Krankenhaus. Bronchitis. Und zwei Wochen spĂ€ter: Sie könne doch nicht, sie habe jetzt eine RĂ€umlichkeit fĂŒr insgesamt fĂŒnf Kinder bekommen. Davon habe sie uns doch erzĂ€hlt, oder nicht? Ähhhh. Nein, natĂŒrlich nicht.
  • Ich rufe beim Stadtschulamt an bzw der „Kinderfrauvermittlung“. Ach, abends? Da gĂ€be es quasi niemanden, der arbeiten will. Ich könne mich aber noch mal melden. Wunderbar.
  • Ich erstelle ein Profil von uns auf „erstekinderbetreuung.de“ – Majeb (Namen alle geĂ€ndert) schreibt mich an. Wow, sogar eine qualifizierte Tagesmutter! Um zurĂŒckzuschreiben, muss ich Prime-Mitglied werden und entsprechend löhnen. Egal, mach ich! Könnte das gleich der große Wurf sein? Wir schreiben kurz hin und her. Ja, sie habe Interesse, alles super, sie sei nur gerade unterwegs und melde sich spĂ€ter. Ja, sehr viel spĂ€ter offensichtlich. Bisher ist nĂ€mlich nichts mehr gekommen…
  • Auch auf betreut.de ist ein Profil von uns. Ich bekomme etliche Bewerbungen und werde natĂŒrlich auch sofort Prime-Mitglied fĂŒr noch mehr Kohle. Nicht dran denken, ist ja eventuell eine gute Investition in die Zukunft! Als erstes schreibt mir Svetlana. Ich melde mich zurĂŒck und schicke ihr meine Telefonnummer – sie ruft aber nicht an, sondern schreibt noch einmal: Wir hĂ€tten da etwas von Minijob geschrieben, sie kĂ€me aber nicht unter 1000 Euro. Sie sei in RumĂ€nien… mindestens 1000 Euro und sie kĂ€me nach Deutschland. ach so…
  • Das Profil von Ines Z. klingt eigentlich super. Gleicher Stadtteil, ehemals Au Pair, aus Spanien, mit 10 Euro echt bezahlbarer Stundenlohn. Sie schreibt mich an, ich schreibe mit Telefonnummer zurĂŒck. Sie schreibt: Ich rufe morgen an. Als das „Morgen“ auch eine Woche spĂ€ter noch nicht eintritt, schreibe ich zurĂŒck: „Schade, dass Sie sich nicht gemeldet haben.“ Sie: „Ich war sehr krank“. Aha. Bei ebay Kleinanzeigen konnte sie wĂ€hrend dieser schweren Krankheitsphase aber noch zigfach ihr Profil posten.
  • Guyiena schreibt mich an, ich rufe sofort zurĂŒck. Sie sei Tagesmutter, habe noch Platz, auch fĂŒr drei, alles wunderbar. Nach 20 Minuten nettem, freundlichem, hoffnungsvollem Telefonat: Ach, erst ab August? Das habe sie ĂŒberlesen… das ginge dann doch nicht. Oh no!
  • Edwina bewirbt sich, sie bekommt sofort meine Handynummer – und das war’s dann auch schon wieder. Never heard anymore!!!!
  • Edda N. klingt perfekt: Ältere Dame, gleicher Stadtteil, 15 Euro Stundenlohn etwas viel, aber egal: Mittlerweile bin ich zu einigem bereit. Wir schreiben sie an, sie schickt uns ihren Lebenslauf zu, wir sagen: top, hier unsere Handynummer! Drei mal dĂŒrft ihr raten, ob sie sich gemeldet hat…
  • Merkeb aus Erithrea bewirbt sich auf unser Gesuch. Super freundliches Profilbild, wir telefonieren sofort, klĂ€ren einige Details. Ihr Deutsch ist mĂ€ĂŸig, aber sei’s drum! Ich treffe mich mit ihr vor meinem Dienst in einem Cafe. Noch bevor unser Kaffee kommt, merke ich: Das wird nichts. Sprachkenntnisse, Auftreten – wenn meine Tochter richtig Gas gibt, kann dieses arme MĂ€dchen einpacken! Als sie mir dann auch noch erzĂ€hlt, dass sie tĂ€glich bis 17 Uhr Sprachkurs hat (ich aber geschrieben hatte, dass ich ab 15.30 Uhr jemanden brauche), bin ich kurz davor, einfach alles stehen und liegen zu lassen und abzuhauen. Ab ins Mauseloch! Ich trinke aber noch brav aus und verabschiede mich dann freundlich. Die Nerven liegen blank. 
  • Alexandra bewirbt sich – ich schicke ihr meine Handynummer und höre nie wieder von ihr.
  • Ich rufe noch mal beim Stadtschulamt an. Immer noch keine Kinderfrau, die abends arbeiten möchte. Obwohl: Eine gĂ€be es schon, aber die tue immer nur so, als wolle sie arbeiten. Wenn es dann konkret wird, mache sie immer einen RĂŒckzieher. Na Danke!
  • Irgendwann: ein Lichtblick! Soumiana schreibt mir auf meine Anzeige bei ebay Kleinanzeigen. Wir schicken uns unsere Nummern und schaffen es auch tatsĂ€chlich, uns irgendwann zu erreichen. Sie klingt super nett! Sie schickt mir ihren Lebenslauf zu, da steht: drei eigene Kinder, ganz viel Erfahrung mit Kinderbetreuung und Haushaltshilfe. Ich treffe mich mit ihr nach meinem Dienst, nehme meine 1 1/2jĂ€hrige gleich mal mit. Sie kommt aus Bad Homburg angereist (30km Vorort), daher Schwamm drĂŒber, dass sie in der Drive Time 25 Minuten zu spĂ€t kommt. Das erste GesprĂ€ch ist total nett. Eigentlich alles super… nur frage ich mich: Wird die Fahrerei nicht irgendwann zu nervig? Hat sie da WIRKLICH Lust drauf oder geht es ihr nach zwei Monaten total auf den Keks und wir stehen dann wieder alleine da? Eine Woche spĂ€ter gleich das zweite Treffen, diesmal mit meinem Mann. Wenn es gut lĂ€uft, wollen wir gleich alles dingfest machen. Sie kommt wieder 30 Minuten zu spĂ€t. Parkplatzsuche. Ok, ist schwer in Sachsenhausen, nicht drĂŒber nachdenken. Wir essen zu abend in einem Restaurant. Sie erzĂ€hlt, dass eine ihrer Töchter erst sieben ist. Sieben?!? Das hat sie im ersten GesprĂ€ch garantiert nicht erzĂ€hlt. Das hĂ€tte ich mir sowas von gemerkt. Als sie geht, haben wir immer noch dieses Fragezeichen: Hat sie da WIRKLICH Bock drauf? Sie sagt zwar zu allem ja, aber irgendwie springt der Überzeugungsfunke nicht ĂŒber. Nach ein paar Tagen rufe ich sie an: Sie solle sich bitte BITTE noch eine Nacht alles ĂŒberlegen und mir BITTE morgen eine klare Nachricht schicken. Egal, in welche Richtung sie geht – lieber jetzt eine Absage als in zwei Monaten. Bitte, sage ich, es ist mir total wichtig, diese Nachricht morgen von Ihnen zu bekommen – ich sei besorgt, dass ihr die Fahrerei zu viel wĂŒrde… Was soll ich sagen. Es kommt KEINE Nachricht. Ich bin fast froh drum – weil ich jetzt Gewissheit darĂŒber habe, dass ich mit dieser Frau eben KEINE Gewissheit habe. Ich schreibe ihr am ĂŒbernĂ€chsten Tag, dass ich es schade finde und ihr Alles Gute wĂŒnsche. Sie schreibt, sie war im Krankenhaus bis 18 Uhr (diese Krankenhaus-Story scheint irgendwie gern genommen zu sein), sie wollte halt noch ĂŒberlegen und eigentlich sei die Fahrt kein Problem, aber die Fahrkosten könnten schon irgendwann ein Problem sein…  ich komme aus dem KopfschĂŒtteln bei dieser ganzen Sucherei gar nicht mehr raus.
  • Ich poste bei Facebook in allen möglichen Gruppen – in der fĂŒr „TagesmĂŒtter Frankfurt“ ernte ich gleich klugscheißerische Kommentare, dass ich doch mal ĂŒber ein Au Pair nachdenken könnte. Ach echt? Danke, fĂŒr diesen erhellenden Tipp!
  • Bei betreut.de wurde mir gleich NOCH ein Premiummonat abgebucht. Diese dĂ€mlichem Abos!!! Reingefallen!
  • NatĂŒrlich bin ich parallel in etlichen Au Pair Foren am Schauen – und auch, weil ich einfach keine ZEIT mehr habe, mich dieses Betreuungs-Dramas anzunehmen, haben wir nun Butter bei die Fische gemacht und glĂŒcklicherweise ein ganz tolles Au Pair fĂŒr Sommer gefunden. Ich hatte sie schon lĂ€nger im Auge, es stimmt einfach alles (aus Honduras, 23, schon alleine gelebt, Jobs gehabt, rumgereist…) aber die Sehnsucht nach dem vierten Zimmer hatte mich noch etwas gezĂŒgelt. Jetzt ist das Thema aber wirklich durch… sprich: 

Ein Jahr Au Pair machen wir noch und ich werde berichten!!! Das Thema Nanny ist damit auf Sommer 2019 verschoben 😆

     

     

     

    Wenn Muddi SpĂ€tdienst hat…

    …dann weiß ich schon, wer nach dieser Woche fix und fertig ist!

    Mindestens eine Woche im Monat bin ich erst um 21 Uhr zuhause. Rein theoretisch geht das alles und rein theoretisch könnte das sogar ganz entspannt sein: Ich lasse die Kids morgens so lange schlafen wie sie mögen, wir frĂŒhstĂŒcken zusammen und es darf noch ne extra Runde im Wohnzimmer getobt werden. Erst am Vormittag bringe ich sie zur Tagesmutter bzw. in den Kindergarten (nicht ohne noch 100x darauf hinzuweisen, dass ich heute Abend nicht da bin und sie sich bitte lieb zu unserem Au Pair sind), schlendere zum Supermarkt, koche fĂŒr den Abend vor und am Nachmittag dĂŒse ich auf die Arbeit. Hier kann ich mich 100%ig konzentrieren (…), unser Au Pair holt alle Kids ab, betreut sie so lange, bis mein Mann nach Hause kommt und wenn ich um 21 Uhr dazustoße, schlafen alle oder hauchen nur noch ein leises „Mama, ich hab dich lieb“, bevor sie wegschlummern… ja ja. Die WunschtrĂ€ume einer SpĂ€tschicht-Muddi!

    Ich hatte diese Woche so eine SpĂ€twoche und es ging drunter und drĂŒber. Ich bin ein Wrack! Total erledigt! Fertig! Gereizt!!!

    Mein Mann war blöderweise drei Tage auf Dienstreise, also musste ich mich auch nachts um alle drei Kinder kĂŒmmern und ja, sie melden sich! Jede Nacht! Eines Morgens waren zwei von dreien schon um fĂŒnf Uhr wach. Ich dachte, ich drehe durch…

    Der Vormittag war auch nicht so entspannt wie in der Theorie, schließlich steht ja auch noch sowas wie Kinderzahnarzt an (zwei Stunden! FĂŒr EINEN Zahn! Da berichte ich noch mal gesondert drĂŒber), oder die U9 oder irgendwelche anderen Arzttermine. Irgendwann kam dann auch noch der Anruf vom Kindergarten: Hallo Hallo Hallööööchen! Abholen! Kind krank! ahhhhhhhhh!

    Die Magen-Darm-Wasserstandsmeldungen, die wĂ€hrend der Schicht auf meinem Handy landen, sorgen auch nicht gerade dafĂŒr, dass der Stresspegel sinkt… . Ich hatte fĂŒr jeden Abend ein Betreuungs-Back-Up organisiert (Eltern, zufĂ€lligerweise gerade in Frankfurt / Tagesmutter / …), aber fĂŒr die Kids ist das natĂŒrlich einfach blöd, nicht von Mama oder Papa ins Bett gebracht zu werden. An einem Abend kam ich nach Hause und es war einfach nur high life. Alle am brĂŒllen und heulen, „ich will zu Papaaaaaaaaaa“ ….

    Wie machen das erst die Mamas und Papas, die bis 24 Uhr im Supermarkt an der Kasse sitzen mĂŒssen? Oder sogar Nachtdienste schieben? Als Krankenschwester, Arzt, Polizist, whatever??!?! FĂŒr all die ist es echt einfach nur obermonstermega nervig, dass die KindergĂ€rten in Deutschland um 17 Uhr schließen… ein Runde Mitleid fĂŒr alle SpĂ€tschicht-Muttis!!!

     

    Warum es sich lohnt, dein Kind ab und zu zu kĂ€mmen đŸ˜Ź

    Weil es dann in diesem Video nicht ganz so strubbelig aussieht 😜 

    Hier seht Ihr ein Projekt, bei dem ich mit meinen Kids mitgemacht habe und das nun fĂŒr den Deutschen Integrationspreis nominiert ist: Family Playdates fĂŒr Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte. 

    Vor 1 1/2 Jahren haben wir gestartet und darĂŒber eine super nette Familie aus Syrien kennen gelernt. Das Projekt fand ich als 3fach Mama super: Ich wollte unbedingt etwas tun, wollte das Zusammenleben und die Integration unterstĂŒtzen, hatte mit Job und Kids aber einfach keine Zeit. 

    Über das Projekt haben wir (und andere Frankfurter Familien) einen „Match“ bekommen: Eine FlĂŒchtlings-Familie mit Kindern etwa im gleichen Alter. Die Eltern, Ahmad und Amira sind super, die Kids haben sofort connected, zusammen gespielt, bei uns Erwachsenen war es aufgrund der Sprache natĂŒrlich einen Ticken schwieriger. 

    Ich kann nicht behaupten, dass wir uns stĂ€ndig treffen – im Schnitt vielleicht alle drei Monate, aber es ist immer wieder schön und bereichernd!

    Am Anfang mussten wir viele Anfragen von Ahmad zeitbedingt absagen. Mittlerweile ist es andersrum. Die Familie hat stĂ€ndig Termine, Kindergarten, FĂŒhrerschein ,… was natĂŒrlich super ist. Wie sagte Ahmad letztens am Telefon: „In Syria immer Zeit. In Deutschland: nix mehr Zeit“ 😊😍😉

    UnterstĂŒtzen könnt Ihr das Projekt hier

    Im Schlafanzug in den Kindergarten. I did it đŸ˜†

    Morgens rast die Zeit einfach. Schwups ist es schon viertel vor 9 und wir mĂŒssen dringend los, um es noch rechtzeitig zum Morgenkreis zu schaffen (denn danach ist die TĂŒr zu und man darf 30 Minuten nicht rein).

    Also: Zeit abknapsen, wo es noch möglich ist. Ein bisschen Schminke fĂŒr die Mutti? Dauert zu lang, also Zombie-Look. Haare waschen? Zeitfresser hoch zehn! Zur Not eben ne hĂ€ssliche MĂŒtze. Und wenn alles nichts mehr hilft, wie heute: Einfach die Kids im Pyjama wegbringen.

    Ich hatte das GefĂŒhl, gar nicht sooooo viele erstaunte Blicke geerntet zu haben…. vermutlich abgelenkt… von der hĂ€sslichen MĂŒtze 😜

    Display des Grauens 


    Nicht wahr? 🙄

    Wenn mich jemand fragt, was am Mama-Sein am meisten an den Nerven zerrt, ist es das: Die stĂ€ndige Abrufbarkeit. Nicht nur bedingt durch die Kids selbst, die alle gleichzeitig nach dir rufen, unbedingt gerade JETZT einen (angesabberten) Luftballon aufgepustet bekommen möchten, egal ob du gerade mit Wickeln oder anderen deutlich zeitkritischeren Dingen beschĂ€ftigt ist…

    Es geht vielmehr darum, dass man auch fĂŒr das ganze Drumherum stĂ€ndig im Standby-Modus stehen muss. Die Kids machen morgens Drama beim Anziehen, wer wird angerufen? Die Muddi (die gerade beim FrĂŒhdienst im GroßraumbĂŒro sitzt)! Einer kotzt, muss vom Kindergarten abgeholt werden, welche Nummer wird als erstes gewĂ€hlt? Richtig! Mit Kindern musst man sein Handy im Grunde permanent im Blick haben und irgendwie immer auf dem Sprung sein (abgesehen von den 100 Orga-Whatsapp, die man jeden Tag aufs Neue schreiben muss…).

    Ich habe letztens mit einer sehr coolen Kollegin darĂŒber gesprochen (2fach Mama, sie und ihr Mann arbeiten beide voll) und sie meinte: „Ich gehe einfach nicht mehr ans Telefon. Allen, die meine Kinder betreuen, sage ich: Ruft mich nur an, wenn ihr ins Krankenhaus mĂŒsst. Alles andere will ich nicht wissen!“ 😆

     

    Die absolut ekelhaftesten Dinge, die Dir mit Kindern passieren können. Top 3. 

    Als ich letztens sah, wie meine 1 1/2 jĂ€hrige Tochter den Abflussgulli aus dem Waschbecken nahm und genĂŒsslich abschleckte (uaaaaahhhhh) ist mir wieder diese herrliche Top 3 eingefallen. Schon seit Ewigkeiten geschrieben, aber aus Angst, bei Euch WĂŒrgreize auszulösen, noch nicht veröffentlicht…. jetzt ist es aber mal an der Zeit! 😉

    Also: Achtung, es wird gruselig, Ihr werdet „Iiiiiiiihhhhh!!! Wie wiiiiiiderlich!!!“ schreien und Euch vielleicht nicht trauen, weiterzulesen….

    Platz 3: In der hintersten Ecke Deines KĂŒhlschranks findest du etwas, an das zu dich schon gar nicht mehr erinnern kannst. Eine Portion Nudeln! Vor Unzeiten gekocht, aufbewahrt, vergessen und natĂŒrlich mega vergammelt. Sofort schmeißt Du sie weg. Nur: Dein kleines Kind holt es nach kurzer Zeit aus dem MĂŒlleimer wieder raus. GrĂŒne Nudeln? Geil! Pesto!!!! Und ab in den Mund damit. BÀÀÀÀhhhh!

    Platz 2: Eigentlich ein Kardinalsfehler mit kleinen Kindern im Haus: Die KlobĂŒrste NEBEN das Klo zu stellen. Und so passierte bei Verwandten von uns, was sich kein Erwachsener vorzustellen vermag: DreijĂ€hrige Tochter schnabbt sich die KlobĂŒrste und TRINKT das dazugehörige KlobĂŒrsten-Wasser. Oh mein Gott!!! (Und das krasse: unbeschadet ĂŒberstanden…)

    Platz 1 (diese Geschichte scheinen vor allem MĂ€nner irgendwie gar nicht auszuhalten): Eine Freundin von mir macht PedikĂŒre. Sie hobelt sich dabei die Hornhaut ab, die sich nun auf dem Badezimmerboden befindet. Tja… und dann kommt ihr zweijĂ€hriger Sohn und denkt: „Ooooooooohhhhh, Puderzucker!!!“ Und naja, Ihr wisst schon… Enjoy your meal!!!! đŸ˜«đŸ˜«đŸ˜«

    (Na, lebt Ihr noch?)

    Papas und Smartphones. Top 3 der freakigsten Situationen. 

    Platz 3 Der Klassiker:  Papa surft im Handy (Sport! Spiegel Online!) und blendet alles um sich herum aus. Merkt nicht, dass die Kinder gerade die Knete auf dem Teppich verteilen / die 1jĂ€hrige halsbrecherisch auf den Esstisch klettert/ das eine Kind dem anderen die Haare schneidet/ …. (zum GlĂŒck kommt Muddi irgendwann dazu 😉). 

    Platz 2 Mister veryveryvery important: Ja, er ist der Coolste. Er hat es drauf und beruflich alles im Griff. Auch nachmittags im Sandkasten muss er minĂŒtlich seine E-Mails checken. Schön auch letztens eine Szene beim Kinderturnen: Die dreijĂ€hrige Tochter balanciert ĂŒber eine Bank. Der Papa hĂ€lt sie mit der linken Hand – und in der rechten? Logo, das Handy. Am Ohr. Er telefoniert. So laut, dass alle mithören mĂŒssen. Und ja, es klingt ungeheuer wichtig. (Warum meckert die Kursleiterin da eigentlich nicht?!?)

    Platz 1 Der Besessene: Internet. Er braucht es. Überall. Selbst in den zehn Minuten, in denen er seinem SĂ€ugling abends die Flasche gibt (praktisch die einzigen zehn Minuten Kontakt ĂŒberhaupt). Baby und Handy mit links, Flasche mit rechts. Das Baby segelt langsam weg, wĂ€hrend Papa nur aufs Handy starrt. Bild online. Fußball!!! Muss sein!!! Was soll denn das Gelaber von Vater-Kind-Bindung!!!! 😝

    Vom großen GlĂŒck, als Mama ein verstĂ€ndnisvolles Arbeitsumfeld zu haben

    Das ist jedes Mal wieder so nervig: Wenn dein Kind krank wird und du deinem Chef sagen musst: „Sorry, ich kann heute nicht kommen!“ 

    Ich habe eine sehr gute Freundin, die traut sich das schon gar nicht mehr. Weil ihr Chef sonst ausrastet. Also sagt sie ihm im Kinder-Krankheitsfall, sie mache „Home Office“ (mit krankem Kleindkind zuhause = Horror). Wenn der Chef anruft, wird ihr kleiner Sohn erst mal zwei Zimmer weiter vor die Glotze gesetzt und eingeschlossen, damit auch keiner merkt, dass da noch der kleine hustende Wurm zu Hause ist. Schlimm, oder?

    Wenn Kinder krank sind, ist es eine „Lose Lose Lose“-Situation. Dem Kind geht es schlecht, die Mama (oder der Papa) hat ein schlechtes Gewissen dem Chef gegenĂŒber und der Chef selbst ist natĂŒrlich auch nicht amused. Vor allem, weil kleine Kinder bekanntlich hĂ€ufig krĂ€nkeln. 

    Nur: Es ist nun mal einfach nicht zu Ă€ndern! Wenn ein Kind 40 Grad Fieber hat, kannst du es nicht einfach mit Fiebersaft pimpen und in den Kindergarten schieben. Und wenn dein Kind eine BindehautentzĂŒndung hat, bist du automatisch raus. Ich kenne Geschichten, da haben sich Chef und Mitarbeiter wirklich das Maul ĂŒber eine Mutter zerrissen, weil sie eben wegen einer BindehautentzĂŒndung ihres Kindes zuhause bleiben musste. Sie dachten, das wĂ€re alles ein Fake… schön wĂ€r‘s!

    Ich hatte letztens ein kleine „Projekt“ – angesetzt auf vier Tage. Vier pisselige Tage, das sollte man doch hinbekommen, ohne dass da jemand krank wird, oder?!? Haha. Denkste. In genau diesen Tagen war a) mein Mann auf Dienstreise, b) unser Au Pair krank und c) bekam meine kleine Tochter hohes Fieber. Also worst case Szenario, so dass ich tatsĂ€chlich um 3 Uhr nachts meiner Chefin eine Whatsapp schreiben musste: „1000x Sorry, hier bricht gerade alles zusammen, ich kann nicht kommen!“

    Sie schrieb morgens zurĂŒck, dass ich mir keine Sorgen machen soll. Sie wĂŒrden das schon hinkriegen.

    Unfassbar, was mir da fĂŒr ein Stein vom Herzen gefallen ist. Ich fand das einfach so nett und befreiend und mir war klar: Was ist schlimmer als Mama zu sein und ein krankes Kind zu haben? Ein Arschloch-Chef oben drauf.

    Casting mit Baby

    Ich weiß noch genau, wie der Anruf kam: Es war vor ziemlich genau einem Jahr, ich schob mein vier Monate altes Baby gerade im Kinderwagen durchs winterliche Frankfurt, der Wind pfiff mir um die Ohren. Es gĂ€be da eine neue Sendung fĂŒrs Fernsehen, ob ich nĂ€chste Woche nach Kassel kommen könne? Moderationscasting? Hauptsache locker und spontan auftreten. WĂŒrde auch nicht so lange dauern.

    NĂ€chste Woche?!? Ratter ratter. Wie soll ich das machen? Ich bin doch noch in Elternzeit. Hab keine Betreuung! Wer passt auf mein Baby auf? Ach verdammt, hĂ€tt‘ ich doch schon abgestillt!

    Die Versuchung ist groß, einfach „nein“ zu sagen. Denn eigentlich ist das viel zu viel fĂŒr mich. Mein Baby ist winzig, meine anderen Kids sind 2 und 4, ich bin sowas von ausgelastet, mega ĂŒberfordert und mein Hirn ist aufgrund zahlreicher schlafloser NĂ€chte so matschig, dass ich das mit dem „locker“ vielleicht noch hinkriege. Das „spontan“ aber wohl eher nicht…

    Aber, hey, zumindest denken sie schon mal an mich! Und ich wollte doch nie eine sein, die sich wegen ihrer Kinder nur in die eigenen vier WĂ€nde zurĂŒckzieht.

    Ich werfe erst mal die Orga-Maschine an: telefoniere mit meiner Tagesmutter und frage, ob sie an dem Casting-Tag zufĂ€llig frei hat und den ganzen Tag mitkommen könne? Sie, Baby und ich? Mit dem Auto nach Kassel? Sie sagt sofort zu. Wow. Ok!  Also Shakaaaaaaaaa, letzte MuddikrĂ€fte aktivieren und ab dafĂŒr!

    Ich hatte fĂŒr den Tag alles super vorbereitet und durchgeplant. Fahrtzeit drei Stunden, das sollte mit Still- und Wickelpausen bequem hinhauen. WitterungsverhĂ€ltnisse gut. WĂ€hrend des Castings könne meine Tagesmutter einen langen Spaziergang durch den Bergpark Wilhelmshöhe machen und auch ein Kindercafe hatte ich in der NĂ€he ausfindig gemacht. Na also, klingt doch alles ganz easy! Haha. Wurde es natĂŒrlich nicht. Dienstag, 31. Januar 2017: Einer der stressigsten Tage meines Lebens!

    Ich hatte mir den Wecker schon auf 5 Uhr gestellt. Hallo, Fernsehen! Da kann ich nicht im verpennten Zottellook aufkreuzen. Und nach so ner durchwachten Babynacht braucht das Glatt-BĂŒgeln halt ein bisschen lĂ€nger. SpĂ€ter wecke ich mein Baby, docke es noch mal an und um 7 geht es dann los. Schwer bepackt tapere ich in die Garage und frage mich mal wieder, warum es Maxi Cosis nicht in rĂŒckenfreundlich gibt. Ich hatte mich entschieden, mit dem Auto meines Mannes zu fahren. Das hasse ich eigentlich. Ein schwerfĂ€lliges Monster, mit dem ich in keine ParklĂŒcke komme. Aber im Gegensatz zu meinem kleinen Opel ist es fĂŒr die Autobahn nun mal sicherer.

    Ich öffne die FahrertĂŒr und bin sofort auf 180. Das totale Chaos, alle Sitze umgeklappt, die drei Kindersitze kopfĂŒber wild verteilt. Ich verfluche meinen Mann fĂŒr diese chaotische Karre, wĂŒrde ihn am liebsten sofort am Telefon anmeckern, aber: Garage =  kein Empfang. Also bringe ich unter vollem Körpereinsatz alles erstmal in die richtige Reihenfolge. Baby zum GlĂŒck lieb. Mit 15 minĂŒtiger VerspĂ€tung fahre ich endlich aus der Garage. Ich bin durchgeschwitzt und hoffe, dass das Casting draußen stattfindet…

    An der nĂ€chsten Ecke springt meine Tagesmutter rein. Mithilfe ihres SchlĂŒsselbundes schafft sie es tatsĂ€chlich, die Kleine eine halbe Stunde bei Laune zu halten. Ab dann: Sirene. Permanent. Ich kriege irgendwann Kopfschmerzen. Auch beim dritten Kind kann ich mich einfach nicht an lautes BabygebrĂŒll gewöhnen. Mit kurzer Nacht und Stress im Nacken fĂŒhlt sich das Geschrei noch brutaler an. Irgendwann fahre ich runter von der Autobahn, auf einen Brummiparkplatz. Meine Nerven liegen blank. Ich unternehme einen Stillversuch, der klĂ€glich scheitert. Oh Mann!!! Auch das Wickeln auf dem Beifahrersitz klappt suboptimal. Ich freue mich jetzt schon auf den Moment, wo das alles vorbei und ich wieder in Frankfurt bin.

    Ich fahre wieder los und denke, ich spinne. Auf dem Navi steht Ankunft 11.03 Uhr! Um 11 soll es losgehen! Und ich muss vorher noch einen funktionierenden Stillversuch hinlegen, sonst brĂŒllt mein Baby den ganzen Bergpark Wilhelmshöhe zusammen! Ich bin hochgradig gestresst und schwöre, ĂŒber Castingaktionen mit Kindern nie wieder auch nur nachzudenken.

    Als ich nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit endlich in Kassel ankomme, ist mir jegliche VerspĂ€tung egal. Ich parke auf dem Parkplatz direkt vor dem Studio, ziehe mein Baby zu mir auf den Fahrersitz und stille. Ich bete, dass niemand vorbeikommt, den ich kenne und den ich in dieser Montur auch noch grĂŒĂŸen muss. Passiert zum GlĂŒck auch nicht. In letzter Sekunde hiefe ich den Kinderwagen aus dem Kofferraum, packe mein Baby warm ein und schiebe es in die Tragetasche. Begleitet von lautem GebrĂŒll schiebt meine Tagesmutter davon. Puh… durchatmen und zusammenreißen. Ich habe ein Zeitfenster von 2 1/2 Stunden.

    Die Kollegen setzen sich erstmal mit mir an einen Tisch und erklÀrten mir das Konzep. Also nochmal: Hauptsache locker moderieren und spontan sein. Ja kein Problem, wird schon. Hauptsache endlich anfangen. Die Uhr tickt!

    Das Casting war tatsĂ€chlich draußen, vor einem Wohnwagen. Aus den angekĂŒndigten „kleinen Aufgaben“ wurden gleich mehrere große. BegrĂŒĂŸung mit Doppelmoderation (hatte ich noch nie gemacht), dann sollte ich ein Interview mit einem Kollegen fĂŒhren, Essen mit geschlossenen Augen probieren, Stelzen laufen (!!!) und schlussendlich fĂŒr eine „Klamotten-Such-Aktion“ quer ĂŒber das ganze GelĂ€nde rasen. Die Kamera immer hinterher. Es war wirklich hardcore, ich habe nur gemacht, gemacht, gemacht – zack zack zack – mir war einfach nur wichtig, es schnell hinter mich zu bringen….

    Nach gut zwei Stunden bin ich im wahrsten Sinne des Wortes fertig und fahre mit dem Schiff zum Kindercafe, wo ich meine Tagesmutter wiedertreffe. Hier ist alles in Ordnung. Baby gut gelaunt, Tagesmama sowieso. Ich bin so durch und sehe im Spiegel, dass ich inzwischen aussehe wie eine Vogelscheuche. Haare-Absteh-United. Ich mĂŒsste eigentlich umfallen vor Hunger, bekomme aber keinen Bissen runter. Ich will eigentlich nur alles wieder einladen und heimfahren – schließlich muss ich noch meine beiden Großen vom Kindergarten abholen. Was hab ich mir nur dabei gedacht, diese Aufgabe an diesem Tage AUCH noch zu ĂŒbernehmen!!!

    Auf dem RĂŒckweg erklingt sofort wieder die Sirene. Komm, jetzt Augen zu und durch. Du hast es fast geschafft! Irgendwann pennt mein Baby ein und hĂ€tte ich den Regler zur BelĂŒftung nicht mit dem Regler der LautstĂ€rke verwechselt, wĂ€re das wohl auch so geblieben. Plötzlich also Musik in VOLLER LautstĂ€rke und drei Mal dĂŒrft ihr raten, wer wach wurde und bis Frankfurt durchbrĂŒllte…

    Abends war ich FIX UND FERTIG und schlussendlich eine Woche lang krank. Es war einfach viel zu viel Stress fĂŒr meinen momentanen Zustand….

    So, nach diesem beklemmendem Erfahrungsbericht noch die gute Nachricht. Diese Ochsentour war nicht umsonst – ich habe den Moderationsjob tatsĂ€chlich bekommen!!! Hammer. Echt richtig richtig geil! Vier Sendungen haben wir bereits aufgenommen und auch schon ausgestrahlt. Wie zb diese hier: Wilde Camper – Frankfurter Gallus.

    Weitere sollen in diesem Jahr folgen. Aber eins könnt Ihr mir glauben. Dieses Casting vergesse ich NIE! Und sollte ich irgendwann mal in ferner Zukunft fĂŒr irgendwas einen Medienpreis gewinnen und auf die BĂŒhne gebeten werden. All mein Dank gebĂŒhrt: Meiner allerliebsten Tagesmutter!!!